Willy von Unruh

Raumenergie Historie
Ecki
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12.08.2019, 21:48

Guten Abend,

mal wieder darf ich einen historischen Zeitungsfund anbieten. Das ist vielleicht ein Knaller.
Habe hier gesucht:
https://books.google.de/books?id=JsAfAQ ... oQ6AEIPzAE
Und die Suchfrage solange nach unten nachgezogen, bis ich den Text zusammenhatte, dann wurde mir einiges klar...
Ich werde nach dieser Zeitung weiter stöbern, der Coler hat also dort Artikel verfasst; aber erstmal bitteschön:

„Die Umschau“, Band 34, 1930  

Zur Frage 745h (746b?), Heft 47. Atomzertrümmerung, Erfindung eines Herrn Unruh.


Näheres über die Schwindeleien des Herrn Willi Unruh (alias Freiherr von Unruh) dürfte nur aus den Strafakten der Berliner Gerichte zu entnehmen sein.
Den Abschluß der Angelegenheit bildete eine mehrjährige Gefängnisstrafe, zu der Unruh im Januar 1925 verurteilt wurde.
Ueber die technische Seite der Sache kann ich einige Auskunft geben, da ich sie längere Zeit prüfen konnte.
Ich halte die gezeigten Phänomene zweifellos für echt; der Erfolg der Erfindung scheiterte aber hauptsächlich an der Person und dem Charakter Unruhs. Wahrscheinlich ist, daß er sich die Erfindung eines jungen Kölner Ingenieurs unberechtigt nach dessen Tode angeeignet,
das Wesentliche aber nicht erkannt hat und demgemäß nicht imstande war, geeignete Patentgrundlagen zu schaffen.

Seine Patente waren blühender Unsinn und bewußte Irreführung.  

Berlin      H. Coler


Schönen Gruß,
Ecki
Ecki
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24.09.2019, 18:11

Hallo,

noch eine komische Meldung. Ich konnte bisher weiter nichts dazu Passendes von
Valdemar Poulsen finden.
Daher möglicherweise eine Ente.
Hans Coler hat während des Prozesses u. A. ausgesagt:
"Uebrigens sei auch nach einiger Zeit eine Erfindung auf gleichartigem Gebiet patentiert worden."

Schönen Gruß,
Ecki



Bozner Nachrichten 22.02.1920 

Gewinnung von Elektrizität aus der Luft.

Der berühmte dänische Gelehrte Valdemar Poulsen beschäftigt sich gegenwärtig, wie im „Prometheus" mitgeteilt wird,
mit einer neuen Aufsehen erregenden Erfindung,
die darauf hinzielt, elektrische Energie aus der Luft zu gewinnen.
Die Erfindung wird, wenn die Versuche glücken, nach Poulsens Ansicht eine Umwälzung in der Industrie hervorrufen und
in ihrer Bedeutung die drahtlose Telegraphie vollkommen
in den Schatten stellen.
Ecki
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03.12.2019, 22:56

Servus mal wieder,

ich habe eine neue Entdeckung gemacht, die Uni Mannheim stellt ihr digitales Archiv ins Internet. Dort kann man im Deutschen Reichsanzeiger suchen,
es ist aber noch nicht vollständig.
https://digi.bib.uni-mannheim.de/period ... ger/suche/

Ich bin da eingestiegen und habe gesucht nach was wohl? Unruh, Hapiko, Coler...  Und bin fündig geworden.
Das Lesen der Frakturschrift erzeugt auch hier natürlich noch gewaltig Fehler, habe teilweise selber abgeschrieben.
Ich will keineswegs meckern, diese Technik ist ein Segen; ohne sie hätte ich erst gar nichts gefunden.
Über Willy Unruh fand ich einiges, aber nichts neues, die gleichen Firmeneinträge stehen hier schon weiter oben, siehe „Hapiko“ und andere Gesellschaften.
Bis auf eine Kleinigkeit von 1913:

Zentral - Handelsregister für das Deutsche Reich
1913 / 158 p. 14 (Deutscher Reichsanzeiger)


54g. 559 525.
Reklame-Transparent mit automatisch sich einschaltenden Bildern und Text.
Willy Unruh, Berlin-Schöneberg, Hauptstr. 11.  30.5.13 U. 4466


Hans Coler sorgt auch diesmal wieder für Aufsehen, zuerst 1920.
Zwei Einträge, die eine ganz neue Variante von Coler zeigen, man staune: 
 
1920 / 94 p. 14 (Deutscher Reichsanzeiger)
-Nr. 18 023
Elektro - Leichtmotoren - Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sitz: Berlin - Mariendorf.
Gegenstand des Unternehmens:
Die Erprobung, Fabrikation, Verwertung und der Vertrieb von Elektromotoren von verringertem Gewicht sowie von Fahrzeugen aller Art, die mit solchen
ausgerüstet sind.
Desgleichen auch solcher Maschinen, Apparate und Gegenstände, die mt dem vorstehenden Zweck in Zusammenhang stehen.
Das Stammkapital beträgt 250 000 M.
Geschäftsführer: Ingenieur Hans Coler in Berlin Lankwitz.
Die Gesellschaft ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Gesellschaftsvertrag ist am 8. April 1920 abgeschlossen.
Als nicht eingetragen wird veröffentlicht:
Als Einlagen auf das Stammkapital werden in die Gesellschaft eingebracht von den Gesellschaftern:
a) Hans Coler unter Anrechnung von 100 000 M. auf seine Sacheinlage:
1) 1 komplette Transmissionsanlage mit 42,5 m Welle, versch. Tragwerke und div. Riemenscheiben,
2) 2 Werkbänke, komplette Schmiede, Gashärteofen, Regale, Gaslötgebläse, Vorgelegen, Arbeiterschränke und Kleinwerkzeuge,
3) 1 Universalfräsmaschine und 1 Handhebelfräsmaschine,
4) 1 große Bohrmaschine und 3 Tischbohrmaschinen,

5) 25 Schraubstöcke, verschieden,
6) Geldschrank, Schreibmaschine, 4 Schreibtische mit Sessel, Bücherschrank, Bürotische und Stühle, Aktenständer und Regale, 2 Teppiche, 2 Kartoffelschränke.
Büromaterialien:
b) Karl David unter Anrechnung von 70 000 M. auf seine Sacheinlage:

4 Präzisionsdrehbänke, komplett. 175 : 1000 mm, 155 : 1000 mm, 125 : 700 mm und 90 : 500 mm. 

Oeffentliche Bekanntmachungen der Gesellschaft erfolgen nur durch den deutschen Reichsanzeiger.



1920 / 104 p. 16 (Deutscher Reichsanzeiger)
-Nr. 18 114
Elektro-Luftfahrt-Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Sitz: Berlin.
Gegenstand des Unternehmens ist:
Die Erprobung, Fabrikation und Verwertung von Flugzeugen mit elektrischem Kraftantrieb. Stammkapital: 80 000 M.
Geschäftsführer: Ingenieur Hans von Reppent in Kopenhagen.
Dem Ingenieur Hans Coler in Berlin Lankwitz ist Einzelprokura erteilt.
Die Gesellschaft ist eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Gesellschaftsvertrag ist am 15 April 1920 abgeschlossen.
Als nicht eingetragen wird veröffentlicht:
Als Einlage auf das Stammkapital werden in die Gesellschaft eingebracht vom Gesellschafter Hans Coler unter Anrechnung von 30 000 M.
in seine Stammeinlage:
1) Die Rechte aus seinem Vertrage mit der Elektro-patent-Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Bremen,
    betr. das Alleinbezugsrecht einer neuen Stromquelle für alle Zweige der Luftschiffart
15 000 M.
2) Die Büroeinrichtung für ein technisches Büro 15 000 M.

Oeffentliche Bekanntmachungen der Gesellschaft erfolgen nur durch den deutschen Reichsanzeiger.


Zwei weitere Einträge aus dem Jahr 1936, die Gründung eines Ingenieurbüros?
Die letzte Zeile des 2. Eintrags erzeugt beim Kenner ein gewisses Prickeln.  ;)

1936 / 55 p. 8 (Deutscher Reichsanzeiger)
Dritte Beilage zum Reichs- und Staatsanzeiger Nr. 55 vom 5. März 1936. S. 210. Gesellschaften Berlin.
[74195]

In das Handelsregister B des unterzeichneten Gerichts ist heute eingetragen worden:
Nr. 49 832 Hans Coler, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, Berlin.
Gegenstand des Unternehmens:
Erwerb und die Verwertung von elektrotechnischen Erfindungen. Stammkapital: 20000 RM.
Geschäftsführer: Ingenieur Walther Damm in Berlin und cand. ing. Kurt Kirsch im Berlin Charlottenburg.
Gesellschaft mit beschränkter Haftung. Der Gesellschaftsvertrag ist am 5. November 1935 abgeschlossen und am 31. Januar 1936 abgeändert.
Sind mehrere Geschäftsführer bestellt, so wird die Gesellschaft durch zwei
Geschäftsführer vertreten.
Die Geschäftsführer Damm und Kirsch sind als solche berechtigt, Rechtsgeschäfte mit sich im eigenen Namen oder als Vertreter eines Dritten vorzunehmen.


1936 / 115 p. 9 (Deutscher Reichsanzeiger)
Dritte Beilage zum Reichs- und Staatsanzeiger Nr. 115 vom 19. Mai 1936. S. 4.
Bei Nr. 4982.
Hans Coler, Gesellschaft mit beschränkter Haftung:
Laut Beschluß vom 17. April 1936 ist der Gesellschaftsvertrag bzgl. der Vertretungsbefugnis (Nr. 7) abgeändert.
Ingenieur Walther Damm und cand. ing. Kurt Kirsch sind nicht mehr Geschäftsführer.
Zum alleinigen Geschäftsführer ist bestellt: Fabrikdirektor Dr.-Ing. Fritz Modersohn, Berlin Frohnau. 


Für den Mai 1940 fand sich noch ein kurzer Hinweis, daß dieser Firmeneintrag gelöscht worden ist.

Schönen Gruß,
Ecki


 
Zuletzt geändert von Ecki am 05.12.2019, 11:16, insgesamt 2-mal geändert.
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Rudi
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04.12.2019, 07:28

Das ist alles sehr interessant. Vor allem der Satz:
Ecki hat geschrieben:
03.12.2019, 22:56
Die Rechte aus seinem Vertrage mit der Elektro-patent-Gesellschaft mit beschränkter Haftung in Bremen, betr. das Alleinbezugsrecht einer neuen Stromquelle für alle Zweige der Luftschiffart
Meine Suche nach "Elektro-Patent-Gesellschaft" hat jetzt nichts ergeben, aber vielleicht findet sich da später was.
Ecki
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04.12.2019, 10:53

Moin Rudi,

habe inzwischen nach einem "Hans von Reppent in Kopenhagen" gesucht, auch noch kein Erfolg.
Aber eine späte Erkenntnis hatte ich:
Die Nummer "559 525", die dem Eintrag von 1913 für das Reklametransparent überschrieben ist, ist die Nummer des Gebrauchsmusters,
das Willy Unruh im August 1913 an Alfred Kohn zur Gründung von Hapiko verkauft hat, für 6800 Mark.
Natürlich habe ich umgehend im Reichsanzeiger nach der D.R.G.M. No. 591045 (Stromerzeuger) gesucht, es kam leider nur das Bekannte...

Ecki
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04.12.2019, 15:09

Es scheint wieder eine Luftnummer gewesen zu sein (ich konnte das Suchen nicht lassen).

1920 / 225 p. 9 (Deutscher Reichsanzeiger)
[67953]

Laut der Gesellschafterversammlung vom 6. September 1920 tritt die Elektro-Leichtmotoren-Gesellschaft m. b. H., Marienfelde, Straße 83, in Liquidation.
Zum Liquidator ist der Kaufmann Karl David, Berlin W. 35, Schöneberger Ufer 27 III; bestellt und sind Forderungen bis zum 31. Oktober 1920 bei demselben anzumelden.


[67954] N:
Laut der Gesellschafterversammlung vom 6. September 1920 tritt die Elektro-Luftfahrt-Gesellschaft m. b. H., Berlin SW. 11, Hafenplatz 4, in Liquidation.
Zum Liquidator is der Kaufmann Karl David, Berlin W. 35, Schöneberger Ufer 27 III, bestellt und sind Forderungen bis zum 31. Oktober 1920 bei demselben
anzumelden.



1922 / 82 p. 17 (Deutscher Reichsanzeiger)
6. April 1922  Bei Nr. 18023

Elektro-Leichtmotoren-Gesellschaft mit beschränkter Haftung:
Der Kaufmann Karl David ist nicht mehr Liquidator. Der Kaufmann Hans Holzapfel zu Berlin-Lichterfelde ist zum Liquidator bestellt.


Ich fürchte, Hans Coler hat die Werkzeuge und Maschinen auch nur auf dem Papier "besessen".
Und den "Hans von Reppent in Kopenhagen" gab es wohl ebenso wenig, wie eine "Elektro-Patent-Gesellschaft" in Bremen.
Vielleicht gab es einen Briefkasten.
Interessant finde ich, das diese Aktion parallel zu Willy Unruhs Vorbereitungen für die Präsentation des Stromerzeugers Ende 1920 gelaufen ist.

Ecki

 
Ecki
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16.12.2019, 17:50

Hallo,

ein gewisser "Smudge", der sich auch Cyril Smith nennt, hat im September hier einiges veröffentlicht:
https://www.overunityresearch.com/index ... pic=3844.0

Darunter ist dieser Artikel, den ich noch nicht kannte.
The Inventions of Willi von Unruh and Hans Coler-1.pdf
(3.67 MiB) 57-mal heruntergeladen

Besonders beachtenswert finde ich folgenden Auszug:

"That Unruh was really the brains behind the developments is supported by information in
the National Archives of Norway. When Unruh and Coler took money from two different
investors, one of them Norwegian, there resulted some legal wrangling and the following
is an extract from a recent letter to Professor Hocking. “In the archives of the Norwegian
ministry of foreign affairs, “Utenriksdepartementet”, there is a file with the signature
H4 Aii 5/34 in the series Dk box 3309 containing a large number of documents from July
1934 to December 1938 regarding a court case against dir. Reinert Sandberg and others
involved in Norwegian financing of an invention in electric energy. The inventor’s name
was von Unruh, but his assistant, Hans Coler, seems to have kept the patent until it was
confiscated by the Nazi authorities.” Being Unruh’s assistant perhaps explains why, after
Unruh’s death, Coler seems to be out of his depth in explaining and demonstrating the
workings of his apparatus. It may be noted that Sandberg accompanied the UK
intelligence officer when Coler was interrogated after WW2, presumably to protect his
interest in the inventions."


Schönen Gruß,
Ecki
 
Ecki
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16.12.2019, 19:19

Noch ein Gedanke,

Smudge schreibt unter anderem,
im Norrby Patent seien im Gegensatz zu Coler's (Unruh's) späterem Aufbau keine Stahldrähte oder Piano Wires,
auch keine "Silberdrähte", wie anderweitig beschrieben.
Dazu möchte ich nochmal auf meinen "Verdacht" hinweisen, daß die komischen Federkontakte "h" im Norrby Patent aus Stahlfedern
bestanden haben könnten.
Sie waren gem. Zeichnung direkt über den Magnetstäben montiert, und wozu bitte so überdeutlich dargestellt?
Wen interessiert bei einem solchen Patent die herausnehmbare Trägerplatte für die Magnete?

Sliding.jpg
Sliding.jpg (125.93 KiB) 3979 mal betrachtet

Mein Interesse liegt nach wie vor bei den "dünnen" Stäben, oder Drähten, oder Federn...
Dazu möchte ich in Bälde neue Ergebnisse im Thread "Nachbau Patent Robert Norrby" beschreiben.
Spektakulär wird es nicht, interessant vielleicht schon, aber wie es so ist: Neue Ergebnisse erzeugen viel mehr neue Fragen.

Ecki
Ecki
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17.01.2020, 15:19

Servus und mit späten, guten Neujahrswünschen,

ich habe über die Feiertage beim "Aufräumen" noch einen Zeitungsartikel gefunden, der mir entfallen war.
Ärgerlich, denn er hätte ganz am Anfang dieses Threads eingefügt gehört.
Nun steht  der "Lübecker Volksbote" vom 20.11.1920 halt an dieser Stelle.
Die Meldung kam wahrscheinlich einige Tage nach der großen Präsentation des Stromerzeugers heraus und war noch voller Euphorie.
"Der Welt stehen da von Deutschland her noch einige Ueberraschungen bevor."
Wie wahr, wie wahr.

Schönen Gruß,
Ecki



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1920 11 20 Lübecker Volksbote 2.jpg (122.32 KiB) 3022 mal betrachtet

 
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